H2Wood – BlackForest – Biointelligente Wasserstoff-Erzeugung aus Holz und Altholz im Schwarzwald

Die Region Schwarzwald will Holzabfälle als lokale Ressource zur dezentralen Herstellung von Biowasserstoff als regenerativem Energieträger erschließen. Hierzu wird das Potenzial von Holzabfällen für die Erzeugung von Wasserstoff und dessen energetische Nutzung untersucht sowie zwei Verfahren zur biotechnologischen Erzeugung von Wasserstoff und Koppelprodukten entwickelt und in einer integrierten Pilotanlage am Campus Schwarzwald demonstriert.

Mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz muss derzeit in genehmigten Großkraftwerken verbrannt werden. In H<sub>2</sub>Wood entstehen daraus Wasserstoff, Carotinoide und Stärke.
© Fraunhofer IGB
Mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz muss derzeit in genehmigten Großkraftwerken verbrannt werden. In H2Wood entstehen daraus Wasserstoff, Carotinoide und Stärke.

Herausforderung und Ziel

Aufgrund seines hohen Waldanteils ist die Wirtschaft des Schwarzwald stark auf die Nutzung von Holz ausgerichtet. Dabei fallen bedeutende Mengen an Holzabfällen an, z. B. Restholz, Altholz und Produktionsabfälle, die derzeit teilweise kostenintensiv entsorgt werden müssen. Für eine nachhaltige und regionale Wertschöpfung will das Projekt »H2Wood – BlackForest« diese Holzabfälle als lokale Ressource zur Herstellung von Biowasserstoff und biobasierten Produkten erschließen.

 

Lösungsansatz

Als Grundlage für die Umsetzung einer holzbasierten Kreislaufwirtschaft in der Region werden Aspekte und Potenziale einer wasserstoffbasierten Nachhaltigkeit im Schwarzwald sowie Szenarien für eine beschleunigte Reduzierung von CO2‑Emissionen untersucht. Die durch Fraunhofer IPA und Universitäts Institut IFF durchgeführten Analysen richten sich an das holzverarbeitende Gewerbe, an Mobilitätsdienstleister, Technologieunternehmen sowie an Energieversorger, die Kommunen und die Land-/Stadtkreise und werden in einer Wasserstoff‑Roadmap für die Region Schwarzwald zusammengefasst.

Für die verfahrenstechnische Realisierung wird ein Anlagenkonzept zur Gewinnung von Biowasserstoff aus Holzabfällen mittels biotechnologischer Prozesse als Alternative zu thermochemischen Verfahren analysiert und bewertet. Der erste Schritt hierbei ist die Vorbehandlung des Alt- und Restholzes, um chemische Bestandteile aus Klebstoffen oder Lacken zu entfernen, gefolgt von der Fraktionierung des Holzes und der Spaltung der hierbei gewonnenen Cellulose in Zucker. Für die Umwandlung der Holzzucker in Wasserstoff werden am Fraunhofer IGB zwei Fermentationsverfahren mit wasserstoffproduzierenden Mikroalgen und Bakterien untersucht und miteinander verknüpft.

Zur Demonstration der technischen Machbarkeit und Gewinnung erster Betriebsdaten werden die Prozessstufen anhand der am Fraunhofer IGB im Labormaßstab ermittelten Auslegungsdaten als semi-mobile Module aufgebaut und in einer automatisierten Anlage am Campus Schwarzwald integriert.

 

Auswirkung und Anwendungspotenziale

Durch die Verminderung von CO2‑Emissionen unterstützt das Vorhaben die Erreichung der Klimaschutzziele. Zum einen ersetzt der regenerativ hergestellte Energieträger Biowasserstoff bisherige fossile Energieträger, etwa in den Sektoren Mobilität und Industrie. Zum anderen verknüpft der biotechnologische Ansatz die energetische Verwertung der Holzabfälle mit einer stofflichen Nutzung, indem das bei der biotechnologischen Umwandlung aus dem Holz freigesetzte CO2 in Form von kohlenstoffbasierten Koppelprodukten gebunden wird. Damit leistet die kombinierte stoffliche Verwertung von Altholz und Holz-Produktionsabfällen auch einen Beitrag zur Etablierung einer auf nachwachsenden Rohstoffen basierenden Kreislaufwirtschaft mit biobasierten Produkten für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie sowie die Chemie.

Holzabfälle können genutzt werden, um Stoffkreisläufe zu schließen und den hochwertigen Energieträger Wasserstoff bereitzustellen. Die nach der Fraktionierung und Verzuckerung gewonnenen Holzzucker dienen wasserstoffproduzierenden Mikroorganismen als Substrat. Wasserstoffproduzierenden Mikroalgen stellen aus den Produkten der mikrobiellen Fermentation (organische Säuren, CO2) Koppelprodukte her, die als Lebensmittel oder Futtermittel Verwendung finden. Bei der Nutzung des regenerativen Energieträgers Wasserstoff entsteht nur Wasser.
© Fraunhofer IGB
Holzabfälle können genutzt werden, um Stoffkreisläufe zu schließen und den hochwertigen Energieträger Wasserstoff bereitzustellen. Die nach der Fraktionierung und Verzuckerung gewonnenen Holzzucker dienen wasserstoffproduzierenden Mikroorganismen als Substrat. Wasserstoffproduzierenden Mikroalgen stellen aus den Produkten der mikrobiellen Fermentation (organische Säuren, CO2) Koppelprodukte her, die als Lebensmittel oder Futtermittel Verwendung finden. Bei der Nutzung des regenerativen Energieträgers Wasserstoff entsteht nur Wasser.

Ergebnisse

Vorbehandlung: Fraktionierung und Verzuckerung des Alt- und Restholzes

Der Hauptbestandteil von Holz ist Lignocellulose, Strukturmaterial in der Zellwand aller holzigen Pflanzen und der am häufigsten vorkommende nachwachsende Rohstoff. Lignocellulose besteht im Wesentlichen aus polymeren C6- und C5-Zuckern (Cellulose, Hemicellulose) sowie dem Biopolymer Lignin.

Um die Holzabfälle nutzbar zu machen, werden diese − beispielsweise Restholz, Paletten, Bauabfälle oder alte Gartenzäune − zunächst zerkleinert, gesiebt und von physikalischen Störstoffen, welche die Bioraffinerieanlage im weiteren Prozess beschädigen können, getrennt. Anschließend findet ein chemisch-thermischer Aufschluss statt. Hierzu wird das Holz unter Druck bei bis zu 200 °C in einem Ethanol-Wasser-Gemisch gekocht. Lignin sowie Klebstoffe, Lösemittel und Lacke aus den Holzabfällen lösen sich in Ethanol, sodass die chemischen Störstoffe hierbei von der Holzfaser getrennt werden.

Die beim Kochen übrigbleibende Holzfaserfraktion, die Cellulose und Hemicellulose enthält, wird im Schritt der Verzuckerung in ihre einzelnen Zuckermoleküle – Glucose und Xylose – gespalten. Diese dienen den wasserstoffproduzierenden Mikroorganismen als Substrat und Kohlenstoffquelle.

Aus der flüssigen Fraktion lässt sich als Koppelprodukt Lignin gewinnen. Es ist vielseitig einsetzbar, unter anderem als biobasiertes Material in Verbundwerkstoffen.

Mikroalgen im Photobioreaktor fixieren das von den Bakterien freigesetzte CO<sub>2</sub> für Wachstum und Biomassebildung. Je nach Stammauswahl und Prozessführung werden Speicherstoffe wie Stärke oder Carotinoide gebildet.
© Fraunhofer IGB
Mikroalgen im Photobioreaktor fixieren das von den Bakterien freigesetzte CO2 für Wachstum und Biomassebildung. Je nach Stammauswahl und Prozessführung werden Speicherstoffe wie Stärke oder Carotinoide gebildet.

Konversion der Zucker zu Wasserstoff

Für die Umwandlung der gewonnenen Zucker in Wasserstoff hat das Fraunhofer IGB zwei miteinander verknüpfte Fermentationsverfahren mit wasserstoffproduzierenden Bakterien und Mikroalgen etabliert.

Bakterielle Fermentation: Umwandlung von Zucker in Wasserstoff

Für die Umwandlung der Zucker untersucht  das Fraunhofer IGB eine anaerobe Fermentation mit dem Bakterium Clostridium. Diese Bakterien produzieren während ihres Wachstums neben dem Zielprodukt Wasserstoff auch CO2.und organische Säuren

Mikroalgen: Umwandlung von CO2 in Koppelprodukt Lutein

Mikroalgen sind durch die Photosynthese in der Lage, CO2 als Kohlenstoffquelle zu nutzen. Um CO2 aus der bakteriellen Fermentation als Kohlenstoffquelle für die Mikroalgen nutzen zu können, wird es aus dem Gasgemisch abgetrennt und einem Photobioreaktor zugeführt, in dem die Mikroalgen kultiviert werden. Mit der Mikroalge Chlorella sorokiniana können daraus unter Lichteinfluss Speicherstoffe wie Stärke und Carotinoide wie Lutein als weitere, von unterschiedlichen Industriebranchen verwertbare Koppelprodukte synthetisiert werden.

In einem zweiten Schritt überführen wir die Mikroalgen in einen speziell dafür entwickelten Reaktor, in dem sie mittels direkter Photolyse Wasserstoff freisetzen.

Bioraffinerie-Pilotanlage für holzbasierte Kreislaufwirtschaft

Einige Module des Pilotanlagenkomplexes wurden bereits 2024 am Fraunhofer IGB aufgebaut und getestet. Die Planung für den Aufbau am Campus Schwarzwald ist im vollen Gange. Die Anlage soll im Sommer/Herbst 2025 in Betrieb genommen werden. Damit wird der Weg bereitet, die biotechnologische Erzeugung von Wasserstoff erstmals in einem größeren Maßstab zu demonstrieren.

Durch den neuen biotechnologischen Ansatz wird die energetische Verwertung der Holzabfälle zu Wasserstoff mit einer stofflichen Nutzung verknüpft. Das aus dem Holz freigesetzte CO2 wird in Form von kohlenstoffbasierten Koppelprodukten gebunden und damit zurück in den natürlichen Kohlenstoffkreislauf geführt.

Projektinformationen

Projekttitel

H2Wood – BlackForest – Biointelligente Wasserstoff-Erzeugung aus Holz und Altholz im Schwarzwald


Projektlaufzeit

August 2021 – Juli 2024

 

Projektpartner

  • Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Stuttgart (Koordination)
  • Campus Schwarzwald (Centrum für Digitalisierung, Führung und Nachhaltigkeit Schwarzwald gGmbH), Freudenstadt
  • Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Stuttgart
  • Universität Stuttgart, Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb IFF, Stuttgart

Förderung

Wir danken dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für die Förderung des Projekts »H2Wood – BlackForest« im Rahmen des Ideenwettbewerbs »Wasserstoffrepublik Deutschland«, Förderkennzeichen 03SF0669A.

 

Presseinformation zur H2Wood Förderung

Bundesministerium für Bildung und Forschung.